Lesenswerter Beitrag von Medienjournalist Stefan Niggemeier über die unreflektierte Rolle, die Medien oft in ihrer Berichterstattung einnehmen: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-medien-trifft-keine-schuld/
Besonders beachtenswert finde ich Stefan Niggemeiers Analyse zur Berichterstattung über “Möchte-und-dann-doch-wieder-nicht-Koranverbrenner” Terry Jones:
“Und dann ist da auch der Fall des amerikanischen Pfarrers Terry Jones mit seiner Ankündigung, am 11. September 200 Ausgaben des Koran vor dem Gemeindehaus in Gainesville, Florida, verbrennen zu wollen, was prompt von islamischen Fanatikern zum Anlass für blutige Ausschreitungen genommen wurde. Mal abgesehen davon, dass eine solche Reaktion durch nichts zu rechtfertigen ist: Ist der Auslöser dafür die Ankündigung des Pastors? Oder die Berichterstattung darüber durch die Medien?
Anders gefragt: Warum ist die Provokation irgendeines obskuren amerikanischen Extremisten eine weltweite Nachricht? Die Antwort ist so einfach wie paradox: Weil sie, wenn sie weltweit verbreitet wird, das Potential hat, blutige Ausschreitungen von islamischen Extremisten auszulösen. Die Meldung fungiert als self-fulfilling prophecy. Und auch wenn es den bekloppten Pfarrer in den USA sowie die menschenverachtenden Islamisten in Afghanistan in keiner Weise aus ihrer Verantwortung nimmt, sind die Medien in diesem gefährlichen Spiel mindestens ein Katalysator.”
Das Bild vom Katalysator finde ich sehr gelungen. Als Journalist hat man immer eine Wirkung mit seinem Schaffen. Will man die negieren, warum schreibt man dann überhaupt? Heißt das dann, über manche Dinge nicht berichten? Nicht unbedingt, aber sich zumindest der möglichen Folgen seiner Berichterstattung bewusst sein und die fleißig tippenden Händchen dann nicht nachher im Wasser der vermeintlichen journalistischen Unschuld waschen, die da heißt: Es ist doch meine Aufgabe als neutraler Beobachter über Missstände und Unrecht zu berichten
Michael Gerster