Manches war gut in Afghanistan
Das Buch ist schon einige Jahre alt: 2003 ist Drachenläufer erschienen, seitdem wurde es in 42 Sprachen übersetzt. Khaled Hosseini erzählt darin die Geschichte von zwei Jungs aus Afghanistan. Das besondere: Der Roman beginnt in einer Zeit, in der vermutlich kaum ein Afghane geahnt hat, was das Land in den nächsten Jahrzehnten durchmachen würde. Am Horizont gab es noch keine Sowjets und auch noch keine Taliban. Hosseini beschreibt eine Gesellschaft, die zwar muslimisch geprägt war, in der aber vor allem die Intellektuellen und Reichen nach Westen schauten. In der es im Kino Western gab und die Menschen frei ihre Meinung äußern konnten. Eine Gesellschaft, in der der Autor selbst aufgewachsen ist.
In diese Zeit möchte Hosseini den Leser mit hinein nehmen und ihm zeigen: Schau, Afghanistan ist auch noch etwas anderes, als das, was ihr im Westen in den letzten vierzig Jahren davon gehört habt. Dass er dabei den Bogen bis zu Gegenwart spannt, bringt das Land dem Leser unwahrscheinlich nahe, lässt ihn die Menschen sehen, die unter den verschiedenen Systemen überlebt haben. Insgesamt keine einfache Lektüre. Aber es wird deutlich: Manches war einmal gut in Afghanistan.
Und vielleicht ist es auch heute gut, dass deutsche Soldaten dort sind und dabei helfen, ein neues Afghanistan aufzubauen. Ich kenne mich zu wenig mit den großen politischen Zusammenhängen aus, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Aber mir drängt sich immer wieder der Vergleich mit der Situation Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg auf. Was hätten wir damals getan, hätten die Alliierten nicht beim Wiederaufbau geholfen? Und stehen wir deswegen nicht auch in der Verantwortung, anderen Völkern zu helfen, die zwei Diktaturen hinter sich haben?
Laut idea Spektrum 06/2011 haben zivile Organisationen (!) dem Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, kürzlich bei seinem Besuch vor Ort gesagt, “dass der Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Region noch nötig sei.” Erfolg oder Misserfolg der Mission liegen dabei nicht in unserer Hand. Natürlich kann das ganze Vorhaben scheitern. Aber wenn es nur ein bisschen dabei hilft, dass es wieder gut wird an Afghanistan, hat es sich gelohnt. “Drachenläufer” gibt einen Einblick, warum die Menschen dieses Landes den Einsatz – auch von deutschen Soldaten – wert sind.
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Hanna Willhelm
Tags: Afghanistan, Bundeswehr, Drachenläufer, Khaled Hosseini