Gibt es einen gerechten Krieg?

“”Krieg ist immer Sünde.” – Wenn dieser Satz in meinen Vorträgen fällt, kommen Zuhörer auf mich zu, um zu widersprechen. “Gott hat doch Krieg befohlen”, meint einer, “und Gott befiehlt doch keine Sünde!” Also muss es einen gerechten Krieg geben, lautet die theologische Schlussfolgerung.
“Krieg ist immer Sünde.” – Wenn ich das betone, nicken mir viele demonstrativ zu. [...] Aber sie vergessen, dass König Samuel nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift gerade deshalb von Gott verworfen wurde, weil er zu human war.”

Mit dieser Gegenüberstellung fängt Nahost-Korrespondent Johannes Gerloff seinen Text “Gibt es einen gerechten Krieg?” an. Diese Frage wird nicht nur im Zusammenhang mit Israel und den Palästinensern diskutiert. Die Situation in Lybien und der Tod von Osama Bin Laden gehen in die gleiche Richtung. Mit haarspalterischer Genauigkeit versucht man, fein säuberlich zu trennen, wann Krieg oder das Töten eines Menschen juristisch vertretbar ist und wann nicht (vgl. den Zeit Online Artikel Osama bin Laden – Schuss gegen das Recht). Wenn es doch nur so einfach wäre.

Europa neigt zu der Einstellung, dass ein Krieg nie gerecht sein kann. Auch die Kirchen tendieren zu dieser Haltung. In Amerika sieht man das offensichtlich anders. Da wird Krieg als ein Mittel verstanden, um dem Bösen zu wehren. Wer hat Recht?

Gerloff weist in seinen Ausführungen darauf hin, dass diese Welt nicht mehr so ist, wie Gott sie ursprünglich gedacht hat. Der Mensch ist schuldig, wird zum Opfer und zum Täter. Doch Gott gibt seine Schöpfung nicht aus der Hand, er greift heilend und richtend ein. Das bedeutet einerseits, dass gerade wir als Christen uns darum bemühen sollen, Frieden in diese Welt zu bringen. Es kann aber auch bedeuten, dass ein Staat das Böse in seine Schranken weist. Beides sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Noch einmal ein Zitat:

“Wir stehen heute nicht vor der Wahl zwischen einem sündigen und einem sündlosen Leben. Unsere gesamte Existenz ist von der Realität der Sünde geprägt, ob wir das wollen oder nicht. [...]

Konkret bedeutet das, dass in ein und der derselben Gemeinde Raum ist für einen “David”, der zum Schwert greifen muss, aber auch für einen “Salomo”, der den Tempel des Herrn bauen darf; [...] Die Gemeinde braucht Pazifisten, die darauf hinweisen, dass Krieg immer Sünde ist und solche, die bereit sind, in einen notwendigen Krieg zu ziehen, weil es die größere Sünde ist, einen Verbrecher ungehindert weitermachen zu lassen. Das war das Spannungsfeld, in dem sich die Attentäter des 20.Juli 1944 fanden. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir heute über den Krieg diskutieren.”

Das ist auch das Spannungsfeld, in dem der NATO Einsatz in Lybien und die gezielte Tötung Bin Ladens gesehen werden muss. Wer einseitig militärisch oder pazifistisch eine Lösung für solche Konflikte sucht oder sich gar juristisch auf der sicheren Seite befinden will, macht es sich nicht nur zu leicht, sondern verkennt auch die komplexe Realität, in der wir leben.

Hanna Willhelm

(Quelle: Johannes Gerloff, “Der Alltag fängt am Sonntag an. Ein Erlebnismosaik aus dem jüdischen Land”, Hänssler Verlag Holzgerlingen, 2006, S.183ff; das Buch ist im ERF Shop bestellbar)

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Eine Reaktion zu “Gibt es einen gerechten Krieg?”

  1. Kurt Miller

    - Es gibt keinen gerechten Krieg, es ist immer die Unfähigkeit der Menschen das Gute auf beiden Seiten zu suchen.
    - Für mich war und ist Jesus ein Pazifist, der nie zu einem Krieg die Menschen aufgefordert hat, weil er ja die Menschen rettete.
    - Stellen sie sich Jesus als General vor, hätte er zum Töten von Menschen aufgerufen? Ich meine nicht!
    - Im o.g. Bericht : 2 Gruppen von Menschen, welche die Krieg führen und sündig werden und welche die Pazifisten sind und beten und unsündig bleiben. Für mich eine ziemlich schräge Haltung und nicht auf Christus bezogen.
    - Wer die Hoffung selbst in schwierigen Zeiten auf einen Frieden aufgibt, kann auch keinen erreichen. D.h. was wäre wenn::::::::::: kann niemand als Ergebnis von Verhandlungen vorweg nehmen.
    - Ich bin nicht Willens gezielt einen Menschen zu töten außer in Notwehr oder im unkontrollierten Affekt.
    - Jesus hat den Teufel auch nicht getötet trotz der Anfechtung, sondern mit Worten gestritten bis er abließ.
    - Zu guter nein zu schlechter letzt : Wer Waffen hat verwendet sie, wer keine hat?????????
    - Es ist schrecklich zu erleben und zu lesen, wie leichtfertig Christen mit den Worten der Bergpredigt umgehen. Man hat den Eindruck, die heutigen Christen in und außerhalb der Politik haben nach Christus nichts dazu gelernt, weil sie am alten Testament festhalten, das besser in das Tagesgeschäft der Machterhaltung und -ausbau sowie der Waffenhersteller paßt.

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