Krise ohne Ende?

Wirtschaftsprobleme, Finanzmarktpanik, Schuldenspirale – haben Sie aufgrund der vielen Krisenmeldungen auch schon den Überblick verloren? Investment Fachwirt Sebastian Mann hat den Durchblick behalten und erklärt im Interview mit ERF Online die wichtigsten Entwicklungen.

ERF Online: „Börsen in Aufruhr“, „Enorme Kursverluste“, „Anleger-Panik in Fernost“, die aktuellen Turbulenzen an den Börsen machen Schlagzeilen. Doch Bevölkerung und Politik regt das kaum noch auf, schließlich hören wir ständig von anderen Krisen, die drohen. Warum sollten uns diese Kursverluste überhaupt beunruhigen, Herr Mann?

Finanzkrise 2011 - wie große Sorgen müssen wir uns wirklich machen? Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de

Finanzkrise 2011 - wie große Sorgen müssen wir uns wirklich machen? Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de

Sebastian Mann: Kursverluste in dieser Art und Weise sind meist Frühindikatoren für die Realwirtschaft. Das bedeutet, dass bei einem längeren Trend von negativen Nachrichten und Verlusten an den Börsen auch die wirkliche Auftragslage zurückgehen wird. Somit sind Arbeitsplätze bis hin zu ganzen Wirtschaftszweigen in Gefahr.

Zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 hat es die Bevölkerung ebenfalls noch recht ruhig aufgefasst. Erst als 2008 erste Arbeitsplätze gestrichen worden sind, Kurzarbeit eingeführt wurde und Firmen die Insolvenz angemeldet hatten, wurde die Bevölkerung sowie die Politik aktiv. Letztere hat dann Rettungspakete geschnürt, Abwrackprämien zur Unterstützung der Automobilbranche eingeführt, usw.

ERF Online: Die europäische Schuldenkrise hält nun schon seit Jahren Politik, Wirtschaft und Bürger in Atem. Welche Lösungsstrategien halten Sie für sinnvoll?

Sebastian Mann: Um Lösungen zu finden, ist es meist notwendig, die Ursache herauszufinden. Hier ist der intransparente Handel von Währungen- und Finanzderivaten, also Wett- und Tauschgeschäfte, zu nennen. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es laut FAZ das 23-fache Volumen an „Wetten“ auf immaterielle Vermögensgegenstände, wie etwa Aktien, im Verhältnis zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt pro Jahr. Diese Art von Finanzsystemen müsste vollständig, aber langsam abgestellt werden. Denn dies hat nichts mehr mit langfristiger Investitionsstrategie zu tun, sondern lediglich mit menschlicher Gier. Das ist allerdings erst einer von vielen Punkten die notwendig sind, um eine nachhaltige Lösung für unser Finanz- und Wirtschaftsystem zu ermöglichen.

ERF Online: Sind denn Eurobonds ein weiterer hilfreicher Punkt? Sind sie der Ausweg aus der Krise?

Sebastian Mann: Eurobonds sind im Endeffekt Staatsanleihen, wie wir Sie als typische Geldanlage in Deutschland kennen. Doch bei Eurobonds nimmt nicht ein Staat alleine, sondern die gesamte Währungsunion gemeinsam Schulden auf – von Bürgern und Institutionen. Gehaftet wird gesamtschuldnerisch für die Kapital- und Zinszahlung.

Ziel soll sein, dass durch die Ausgabe dieser EURO-Anleihen der Blick der Kapitalmärkte von einzelnen Euro-Ländern auf das große Ganze verschoben wird. An der Wurzel des Problems, nämlich der stetig steigenden Staatsverschuldung, überdimensionalen Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände, sowie der unkontrollierten Vermehrung der Geldmenge wird allerdings nichts geändert. So wird auch die Grundproblematik bestehen bleiben, dass dennoch der Großteil der Länder unheilbar verschuldet ist. Also: Eurobonds bieten Hoffnung für eine starke, gemeinsame Wirtschaftspolitik, aber sie sind nicht das einzige Allheilmittel.

ERF Online: Ist angesichts der Krisen nicht das kapitalistische System an sich am Ende?

Sebastian Mann: Wie heißt es so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“. Zum heutigen Zeitpunkt hängt es ganz davon ab, wie die weiteren Reaktionen durch Politik sowie die beiden großen Zentralbanken in den USA und Europa aussehen werden. Sollte es wieder möglich werden, die Wirtschaft durch überdimensionale Rettungspakete einigermaßen am Laufen zu halten, so wird sich real an einem kapitalistischen System nichts ändern.

Eine derartige Veränderung kann eigentlich nur dann erfolgen, wenn der Großteil der Bevölkerung das Ende des Systems durch eigenes Tun und Handeln hervorruft. Eine drastische Veränderung, die durch politische Akteure hervorgerufen wird, kann nur in einer großen Krise enden. Hier ist es wesentlich hilfreicher, wenn nach und nach das Bewusstsein für unser angeschlagenes Finanzsystem entsteht und immer mehr Marktteilnehmer ihrer eigenen Investitionen verändern.

ERF Online: Der ehemalige Kulturstaatsminister der rot-grünen Bundesregierung und jetziger Chefredakteur der Zeitschrift „Cicero“, Michael Naumann, kritisiert in der FAZ, dass Politik und Wirtschaft Tugenden wie „Anstand“ und „Maß“ aus dem Blick verloren haben. Müssten sich nicht auch ethische Einstellungen und Werte ändern, um die Krisen zu überwinden?

Sebastian Mann: Dieser Einstellung kann ich zu 100 Prozent zustimmen. Erst wenn wir wieder beginnen, unsere Investitionen in innovative Strategien von Unternehmen, ehrliche Arbeitsweisen und transparente Finanzprodukte neu zu widmen, wird es uns möglich werden, aus dieser strukturellen Krise endgültig herauszukommen.

Jesus lehrt in der Bibel, wie ein derartiges Finanzsystem aussehen kann und sicherlich auch aussehen soll. Und Jesus selbst war nicht derjenige, der zu den großen Königen gegangen ist und von dort aus die Welt veränderte. Ganz im Gegenteil: Er begann mit seinem eigenen Handeln zwischen den einzelnen Menschen und diktierte keine politische Vorgehensweisen.

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mann.

Die Fragen stellte Markus Dörr.

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3 Reaktionen zu “Krise ohne Ende?”

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  2. Ingo Weber

    Schöner Beitrag.

    Der Sharing-Button klappt mit Opera leider nicht.

  3. Dirk-00

    Bitte teilt den Aufklärungslink gegen den ESM-Vertrag mit euren Freunden, Bekannten auf Facebook (an die Pinnwand des Freundes posten), per Mail und so weiter – die Zeit wird knapp, umso mehr sich darüber informieren, um was es sich bei diesem diktatorischen Ding handelt, umso besser!

    Hier der Link zu dem Video auf YouTube [Anmerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen keine Links bei Kommentaren. Sie finden das Video auf YoutTube unter dem Stichwort ESM-Vertrag]!

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