Mann oder Frau – wer hat den besseren Führungsstil?

Sind Frauen die besseren Leiter? Schließlich sind sie sensibler und haben keine so ausgeprägte Ellenbogenmentalität wie die Männer. Die besseren Teamplayer sind sie sowieso. Soweit der Eindruck, der entsteht, wenn man Berichte und Artikel zum Thema liest. Stimmt das?

Von ganz unerwarteter Seite bin ich kürzlich über Informationen gestolpert, die eine Idealisierung des weiblichen Führungsstils in Frage stellen. Karl und Grete Ortlieb haben 30 Jahre lang unter einem Indianerstamm in Paraguay / Südamerika gelebt. Ihre Erfahrungen mit den Mbya-Indianern liegen jetzt in Buchform vor. Darin schreiben sie:

Die Mutter hat alleine das Sagen über ihre Angehörigen. Sie kann einen Umzug ihrer Sippe befehlen – oft unter dem Unverständnis ihrer Kinder. Dies bringt sehr viele, oft dramatische Nöte in die Ehen ihrer Kinder. Auf der anderen Seite können die Kinder immer zur Mutter fliehen. Sie hält zu ihnen, wenn sie von ihren Männern verlassen werden, was ja ständig geschieht.

Die Missionare führen dann einige Beispiele an, die zeigen, wie weit die Dominanz der Mutter oder Großmutter gehen kann. So haben sie erlebt, dass eine Großmutter die Scheidung ihrer Enkelin erzwingen wollte, obwohl diese glücklich verheiratet war. Eine andere Mutter verheiratete ihre Tochter mit ihrem eigenen Ehemann, um ihren Wegzug zu verhindern.

Diese Geschichten machen deutlich, dass die matrilineare Gesellschaftsordnung auch nicht das Paradies auf Erden ist. Also doch wieder Männer an die Macht?

Ortliebs beantworten diese Frage meines Erachtens richtig, wenn sie schreiben:

Was nicht bedeutet, dass eine patrilineare Gesellschaftsform nicht zu ähnlichen Problemen führt. Es kann allgemein vom christlichen Standpunkt aus postuliert werden, dass jede Gesellschaftsform zu zwischenmenschlichen Problemen führen kann, wenn die Beziehungen nicht aus der Vergebung von Christus heraus gelebt werden.

Mir zeigen diese Beobachtungen, dass man nicht einfach pauschal sagen kann, dass die Menschheit besser dran wäre, wenn mehr Frauen (oder mehr Männer) das Sagen hätten. Beide Geschlechter haben in ihrer typisch männlich oder weiblichen Art Stärken und Schwächen. Aus diesem Grund ordnet die Bibel die beiden sich auch gegenseitig zu: Sie brauchen einander und sollen sich gegenseitig ergänzen.

Darüber hinaus gilt: Da, wo Mann oder Frau sich von Gott abhängig wissen und ihre Position als einen Dienst für ihre Mitmenschen verstehen, sind sie meines Erachtens auf dem besten Weg gute Führungskräfte zu werden.

Hanna Willhelm

Quelle: Karl und Grete Ortlieb, Die Mbay-Indianer in Paraguay. Eine religions-soziologische Studie – 30 jahre Erfahrung von Missionaren, VTR Verlag, 2011.

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2 Reaktionen zu “Mann oder Frau – wer hat den besseren Führungsstil?”

  1. Heike

    Die Menge macht, dass ein Ding ein Gift wird …

    Alte Weisheit – auch heute noch aktuell. Gott wollte ZUSAMMENwirken. Mensch mit Gott. Gott mit Mensch. Mann mit Frau. Frau mit Mann.

    Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, muss es nicht zur Einheit kommen – aber wo Reibung erfolgt, erfolgt auch Lernen!
    Wo jeder nur als Einzelkämpfer herumirrt, verirrt er über kurz oder lang. Sich auf andere einlassen erfordert Mut. Weil der Andere auch unbequeme Wahrheiten an einem selber erkennen kann.
    Wo einer allein wandert, strauchelt und hinfällt, sich allein aufrappeln muß, da haben es zwei leichter. Für mich heißt die Weisheit: die Andersartigkeit meines Nächsten respektieren, akzeptieren und als Bereicherung ansehen.

    TEAMarbeit.

  2. Philipp Kohli

    “Ordnet euch einander unter…” so stehts im Epheserbrief . Ich glaube, dass sich echte Leiterschaft, die Herzen verändert, am Stil von Jesus orientieren muss. War Jesus nicht derjenige, der mit einem umgebundenen Tuch die Füsse seiner Jünger wusch?

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