Hartz-IV-Empfänger sollen keine Kinder bekommen! – Ein Kommentar
Aktuell entspinnt sich eine aufgeregte Debatte um das Betreuungsgeld. Es gibt kluge und nützliche Argumente dafür wie auch dagegen. Als ich aber nun die Schlagzeile „Hartz-IV-Empfänger sollen kein Betreuungsgeld bekommen“ gelesen habe, habe ich aufgemerkt.
Hartz-IV, man denkt an schmuddelige Menschen mit fettigen Haaren in Unterwäsche, die vor einem riesigen Flachbildschirm hängen. Ungebildete Leute, das ganz sicher. Das denkt man so lange, bis man selbst einmal den Arm der Arbeitsagentur um die Schulter gelegt bekommt. Ob es nun eine unerwartete Kündigung ist, weil mal wieder Stellen eingespart werden sollen. Oder der naive Wunsch, in Deutschland eine Geisteswissenschaft zu studieren. Es ist nicht immer der Gedanke, einen Flachbildschirm besitzen zu können, der den Gang zum Arbeitsamt möglich macht.
Wenn ein solcher Gang ansteht, ist es völlig egal, dass man sein Studium mit sehr guten Noten abgeschlossen hat und eigentlich vorhat, eine wissenschaftliche Laufbahn anzustreben. Oder ob man vielleicht wirklich keine Lust auf Arbeit hat. Man fühlt sich gedemütigt, von der Gesellschaft ausgeschlossen, nutzlos. Und weil man ja sein Betreuungsgeld bei H&M verschleudern könnte, darf man neuerdings besser nicht mehr daran denken, in der Kinderfrage den anderen Bürgern rechtlich gleichgestellt zu sein.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich ein Hartz-IV-Empfänger fühlen muss, wenn er diese Begründung liest. Muss er nicht selbst irgendwann glauben, dass er dumm und unfähig ist? Dass andere ein Recht darauf haben, ihn zu bevormunden? Dass er eben nicht die gleichen Rechte hat wie andere, die durch einen glücklichen Zufall Arbeit haben?
Und steckt da nicht vielleicht auch der Wunsch der Politiker dahinter, dass Arme keine Kinder haben sollen? Zu diesem Schluss könnte man fast kommen.
Kinder sind eben Luxus
Doch nicht nur Hartz-IV-Empfängern wird es schwer gemacht, Kinder zu bekommen. Uniabsolventen trifft es oft nicht besser. Vor allem solche, die verträumt geglaubt haben, mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss einmal selbst genügend Geld zu verdienen. Wer den Wunsch verspürt, nach der Uni beispielsweise in einen Verlag einzusteigen, gerät nämlich ebenfalls in einen Armutskreislauf. Denn nicht jeder schafft es, Praktika („am besten schon ein Jahr“) in seiner Studienzeit zu absolvieren. Vor allem nicht, wenn man aus finanziellen Gründen möglichst zügig studieren will und keine Praktika integriert sind.
Na, dann muss man eben nach dem Studium ran! Mit dem Diplom, Magister oder Master in der Tasche wird man also zum Kaffeekocher. Doch Halt! Nur wenn man es sich leisten kann, einen Vollzeitjob mit so geringem Gehalt zu haben, dass man davon allein nicht über die Runden kommt. Staatliche Unterstützung? Praktika verhindern Vermittlung, sind per se also nicht erlaubt.
Also, dann versuchen wir es doch einmal mit Volontariat. Das ist immerhin eine angemessene praktische Ausbildung nach dem Studium. Sackgasse. Praktika erwünscht, gern schon ein Jahr oder länger. Wenn Sie nebenbei auch noch Fachtexte veröffentlicht haben, umso besser. Und so verzögert sich der Kinderwunsch, weil existenziellere Probleme drängen. Denn nicht selten lernen auch Uniabsolventen die Arbeitsagentur kennen.
Aber wenn ich nicht mehr warten will, was dann? Der Kinderwunsch ist offenbar ein Luxus. Und wir reden hier nicht von dem Luxus, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Es geht ganz konkret darum, dass man manchmal nicht einmal in der Lage ist, sich selbst über die Runden zu bringen – von Kindern ganz zu schweigen. Vor allem Studenten kennen die Lage, ständig am Rand des Existenzminimums zu leben, recht gut. Gerade, wenn die Eltern nichts beisteuern wollen oder können, muss man sich oft zusätzlich verschulden. Ja, jeder Student, der Bafög bekommt, lebt zu Lasten seiner Zukunft. Einer Zukunft, in der er Kinder haben könnte.
Doch zurück zum Betreuungsgeld.
Neben dem Unverständnis für die Situation von Arbeitslosen, die ich im Handeln der aktuellen Beschlüsse zu erkennen glaube, treffe ich vor allem auf Wut gegenüber dem faulen Arbeitslosen. Der ist übrigens mit dem faulen Studenten verwandt, der ja auch auf „Kosten“ der Arbeiter ein bequemes Leben führt. Aber wie oft sehen die Wütenden, dass ein Student sich auf Kosten seiner ungewissen Zukunft verschuldet? Wie oft sehen sie, dass auch sie am nächsten Tag auf der Straße stehen könnten?
Selten trifft man auf Verständnis für den Stress und die Selbstorganisation am Rande des Existenzminimums, denen sowohl Studenten als auch Arbeitslose ausgesetzt sind. Was den Studenten vom Arbeitslosen unterscheidet, ist das Selbstwertgefühl. Aber keine Sorge, auch seine Selbstachtung wird sich eines Tages auf dem Boden wiederfinden. Denn leider ist es heute nicht mehr garantiert, dass man nach der Uni einen vollwertigen Job findet.
„Herr, wohin sonst sollten wir gehen?“
Zynisch und bitter klingt diese Einschätzung von meiner Seite. In dieser Leistungsgesellschaft, in der es nicht leicht fällt, Fuß zu fassen, wüsste ich manchmal nicht, was aus mir wird. Was aus meiner Zukunft, aus meinem Kinderwunsch, aus meinen Sorgen und Ängsten werden sollte, wenn da nicht Gott wäre. Es ist nicht einfach, sich bewusst zu machen: Es gibt tatsächlich einen, der nicht darauf schaut, wie viel man einer Gesellschaft wert ist. Und eines weiß ich: Gott führt auch über Umwege. Immer dann, wenn es scheinbar keinen Weg aus dem Dunkel gibt, zeigt er mir eine Tür ins Licht.
Gott beurteilt uns nicht danach, ob unsere Karriere auf dem Bewerbungsbogen 1A aussieht. Das ist ihm völlig gleichgültig. Ein Bibelvers zeigt auf, dass Gott eben nicht denkt wie so viele. Da heißt es: „Denn ich weiß, dass der Herr des Elenden Sache führen und den Armen Recht schaffen wird.“ (Psalm 140,13)
Und ein kleiner Denkanstoß für alle, die besser gestellt sind als einer, der Hartz IV empfängt: „Wenn einer deiner Brüder arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder, sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, soviel er Mangel hat.“ (5. Mose 15,7-8)
Leihen, das kann vielleicht auch heute heißen: Nicht darüber schimpfen, dass dem Arbeitslosen das Geld gegeben wird, das man selbst „mit harter Arbeit“ verdient. Denn woher wissen wir, wieso er wirklich arbeitslos ist?
Was ich mir wünsche, wenn ich schon an der Situation an sich nichts ändern kann: Mehr Toleranz gegenüber jenen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben wie man selbst.
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Ebenfalls zum Thema Betreuungsgeld:
Das Wertvollste sind die Kinder! Ein Kommentar zum geplanten Betreuungsgeld
Tags: arbeitslos, Betreuungsgeld, Familienplanung, Hartz IV, hoffnung, Studenten
Am 3. Mai 2012 um 09:26 Uhr
„Wenn einer deiner Brüder arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder, sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, soviel er Mangel hat.“
Sehen Sie, das ist der Gegensatz zwischen christlicher Nächstenliebe und staatlicher Solidarität. Bei Ersterem gibt man aus eigenen Mitteln, bei Letzterem geht einem früher oder später das Geld anderer Leute aus. Das Geben aus eigenen Mitteln ist nur möglich, wenn das Eigentum rechtlich geschützt ist. Nicht umsonst wird im 5. Buch Mose dem Eigentumsrecht eine größere Bedeutung zugemessen als dem Recht der Armen. Denn Letzteres ist ohne das Erstere gar nicht möglich. Bei staatlicher Solidarität dagegen werden die einen teilenteignet, die anderen rundumversorgt, unter der Illusion bzw. dem pervertierten Freiheitsgedanken, Freiheit wäre die Freiheit von Lebenszwängen. Ein Hartz-IV-Empfänger kostet den Steuerzahler 70.000 EURO im Jahr. Bei dem Empfänger selbst, kommt höchstens ein Bruchteil davon an, der überweigende Teil geht an die Hartz-IV-Industrie. Mit Nächstenliebe hat das wahrlich nichts zu tun. Dieses System entwürdigt Geber wie Nehmer gleichermaßen und bereichert die Systemprofiteure.
Ein Recht auf einen Arbeitsplatz nach erfolgreich abgeschlossenem Studium eines Orchideenfachs gibt es nicht. Das musste ich selbst schmerzlich erfahren. Noch im letzten Semester arbeitete ich in der Industrie Dauernachtschicht, während ich tagsüber an meiner Diplomarbeit arbeitete. Nach erfolgreichem Abschluss war es aussichtslos eine Stelle zu finden. Das galt damals übrigens für alle Akademiker, auch für Ingenieure. Da der Schornstein von irgendwas rauchen musste, schulte ich auf den von mir ungeliebten, aber erfolgversprechenden IT-Sektor um. Während dieser erneuten Ausbildung gab es in diesem Bereich einen eklatanten Stelleneinbruch. Also musste ich danach erst mal in der Industrie malochen. Damit ich gleichzeitig noch Sprachkurse geben konnte, arbeitete ich nur Früh- und Nachtschicht im Wechsel. Oft hatte ich morgens nach der Nachtschicht Vorstellungsgespräche. Das ging ein ganzes Jahr so, bis ich endlich eine Festeinstellung im IT-Sektor fand. Dass in dieser langen Zeit die Gründung einer Familie unmöglich war, versteht sich von selbst. Dass ich dafür niemandem die Schuld geben kann – weder der Gesellschaft, noch dem Kapitalismus, noch der Globalisierung, noch meiner Kindheit – versteht sich auch von selbst. Ich kann meine Lebenswünsche eben nicht gegen die Realitäten auf Kosten anderer umsetzen. Es gibt kein Recht auf Kinder, auf Erfolg im Beruf, auf Beruf und Kinder, auf beliebige Freizeitgestaltung, auf Bananen und alles, was ich mir sonst so erträume. Ich danke Gott, dass er mir das klargemacht hat. Und ich danke ihm, dass er mich durch die schwere Zeit getragen hat. Das Schlimmste in dieser schweren Zeit war für mich – Mitleid. Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen. Denken Sie dran: Würde gibt Gott allein – und nicht der Staat durch Almosen.
Am 7. Mai 2012 um 20:21 Uhr
Kommmentar zu Harzt IV sollten…
Mich haben beide Kommentare von oben sehr berührt. Ich bin persönlich sehr dankbar für die Tatsache, dass ich mein Arbeitsleben schon hinter mir habe und ich nicht mehr jung sein muss. Ich kann mich gut in die Sachlage einfühlen, wie schwer es junge Leute heute haben.
Aber wenn man sich für Geschichte und den Menschen interessiert, wir man erkennen, dass jede Generation ihre Lasten zu tragen hat.
Ich habe 40 Dienstjahre als Krankenschwester ohne Unterbrechung hinter mir und wurde wegen einem Burnout 2008 zur Erwerbsunfähigkeitsrente
verdonnert! Ab einem bestimmten Zeitpunkt in einem REHA-Verfahren hat man kein Mitspracherecht mehr!
Da ich zu dieser Zeit noch unter 60 Jahren war, griff das “Gesetz der Bestrafung” bei mir. Denn der große Rentenchef der LVA Berlin bestimmte,
das alle EU-Rentenanwärter gleichmal 18 % von ihrer Altersrente für immer von ihrem Anspruch abgezogen bekommen. Es gab einige Leute, die klagten wegen “Ungleichbehandlung”, bekamen in der 1. Instanz recht.
Die LVA legte daraufhin Berufung ein und der Senat in Berlin gab der LVA Recht und wies die Klage ab.
Die Konsequenz für mich war, das meine Rente so klein ausfiel, dass ich davon nicht leben konnte. Ich versuchte Grundsicherung zu beantragen, bekam etwas Wohngeld und das sollte es gewesen sein.
Was ich damals als sehr ungerecht empfand war die Tatsache,
das ein Harzt IV Empfänger die Rundfunk-u.Fernsehgebühren voll vom Staat gesponsert bekommt und ich als EU-Rentner, krank und nach 40 Arbeitsjahren voll zur Kasse gebeten werde. Ich stand finanziell auch wie ein Harzt IV Empfänger da.
Durch meine Gebete und die Liebe unseres Herrn bekam ich aber einen
400 € Job in einer Arztpraxis angeboten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mich Gott dort hingestellt hat, denn ich habe viel Gelegenheit meinen Glauben einzubringen, Patienten zu trösten und vom Evangelium zu reden.
Ich war in meinem ganzen Berufsleben noch nie so erfüllt, wie jetzt mit 61 Jahren.
Das wollte ich hier einmal erwähnen und jeden Christen ermutigen und trösten nicht im Gebet nachzulassen. Gott hat für unser Leben einen guten Plan! Wir müssen Gott Raum geben, damit ER eingreifen kann, wie es IHM gefällt! Wir müssen daran festhalten, dass Gott keine Fehler macht und uns durchträgt! Auch wenn wir im Moment einen anderen Zeitplan haben.
Gott segene Euch!
Nun möchte ich mich trauen, einige Gedanken, auf die ich schon lange Antwort suche, hier zu veröffentlichen:
Mir ist bewußt, dass Gott zwei Wesentliche Dinge von uns Nachfolgern erwartet. Erstens , dass wir Gott von ganzem Herzen lieben sollen und
Nächstenliebe üben.
Ich beobachte hier bei uns, in einer Kleinstadt, dass Schulabbrecherinnen
und Schulabbrecher sich ihre Zukunft sichern, indem sie ein Kind nach dem anderen bekommen. Auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass diese Kinder aber nicht gefördert werden, obwohl die Eltern Zeit dafür hätten. Die Kinder werden vor dem Fernseher geparkt. Die Hirnforschung hat aber erwiesen, dass Kleinkinder mit hohem Fernsehkonsum, die Fähigkeit verlieren, sich später auf das Lernen zu konzentrieren.
So werden diese Kinder von ihren Eltern in das gleiche Schicksal gedrängt.
Wenn sich die arbeitende Bevölkerung über Harzt IV Leute aufregt, dann denke ich mir, dass man nur diese Gruppen im Blick hat, es nur nicht deutlich ausdrückt. Diese Leute nehmen mit beiden Händen alles, was unsere Gesellschaft gratis zu bieten hat, ohne bereit zu sein, etwas selbst dafür zu leisten. Ein Student muss alles später zurückzahlen! Das wird dieser als ungerecht empfinden und es ist nachvollziehbar.
In der Bibel steht, wir sollen armen Menschen helfen, die unsere Brüder und Schwestern sind, also zur Gemeinde Christi gehören. So verstehe ich es.
Wer unverschuldet in Not gerät oder seinen bisherigen Weg, den er eingeschlagen hat, bereut, da sehe ich ebenfalls meine Aufgabe als Christ, da helfe ich ohne Diskussion, auch wenn dieser nicht zum Leib Christi gehört.
Aber bei faulen und arbeitsscheuen Schmarotzern fällt es mir sehr schwer, das auch so zu sehen. Es macht mich zornig und ich fühle mich nicht gut, eben weil ich Christ bin. Habe ich das Recht andere zu verurteilen. Ich bin da wirklich in einer Gewissenskrise.
Die Politik ignoriert diese Randgruppe und behauptet, man könne diesen Eltern keine Vorschriften machen, wie sie mit dem Geld umgehen. Man müsste doch vertrauen zu ihnen haben.
Ich finde Kindergeld für Harzt IV Familien sehr wichtig, aber nur, um davon
einen Kindergartenplatz zu finanzieren, wo das Kind gefördert wird! Dann hat dieses Kind wenigstens eine kleine Chance, seinem vorauszusehenden Schicksal zu entkommen. Hier ist der Staat m.E. in der Pflicht dringend etwas zu tun. Wer es nicht für nötig häl, für die Zukunft seines Kindes eine Schulausbildung bzw. eine Berufsausbildung abzuschließen, dem kann man das Kindekriegen zwar nicht verbieten (Kinder sind ein Geschenk Gottes), aber man kann Eingreifen, wenn man erkennt, dass das Kind nur Mittel zum Zweck ist. Der Staat hat dieses kleine Leben dann zu beschützen.
Ich höre immer wieder im ERF Plus, dass man auch für die Politiker beten
sollte, damit Gott ihnen bei ihren Entscheidungen den nötigen Durchblick gibt, denn den haben sie wirklich nötig!!!
Herr Gysi hat nicht umsonst geklagt, dass er eine gottlose Gesellschaft
fürchtet.
Halten wir uns an Paulus und beten wir ohne Unterlaß. Fangen wir an!!!
Gott segne Euch und liebe Grüße
Am 9. Mai 2012 um 13:17 Uhr
Liebe Frau S., ihr Beitrag hat mich zutiefst betroffen gemacht und auch eine gewisse Wut auf dieses System der pervertierten Nächstenliebe aufkommen lassen. Es ist bezeichnend für diesen Räuberstaat, dass jemand nach 40 Beitragsjahren genauso dasteht, als ob er nichts einbezahlt hätte. Wenn Sie jetzt noch ausrechnen, wieviel sie eingezahlt haben, selbst wenn Sie hundert Jahre alt werden, dann liegt das jenseits jeglicher Ethik. Jeder würde eine Geldanlage, aus der man nach 40 Jahren deutlich weniger als einen Inflationsausgleich erhält, als Anlagebetrug brandmarken, am am heftigsten die Verursacher der Misere, die Politiker. Ein Schneeballsystem wird definiert als ein System, das Auszahlungen aus laufenden Einnahmen statt aus Rücklagen tätigt. Unser Umlagesystem ist ein Schneeballsystem und es ist aus christlicher Sicht abzulehnen.
Am 4. September 2012 um 10:28 Uhr
Aber bei faulen und arbeitsscheuen Schmarotzern fällt es mir sehr schwer, das auch so zu sehen. Es macht mich zornig und ich fühle mich nicht gut, eben weil ich Christ bin. Habe ich das Recht andere zu verurteilen.
Entschuldigen Sie bitte Frau S. aber diese Aussage von Ihnen hat in mir einen gewaltigen Zorn ausgelöst, und ich weiß das der Herr solche Aussagen abgrundtief hasst! Sie haben nicht das Recht so über andere Menschen zu sprechen, außerdem können sie nicht in die Seele arbeitsloser Menschen schauen. Ich bin nicht eins mit Ihnen, und ich hoffe Menschen mit solchen Vorurteilen niemals wieder im Himmel sehen zu müssen.!!! Der Herr spricht: “Ich will das ihr Barmherzig seid, eure Opfer will ich nicht!
Am 22. September 2012 um 12:33 Uhr
Lieber Jacques LeMouche,
wenn Sie bemängeln, “dass jemand nach 40 Beitragsjahren genauso dasteht, als ob er nichts einbezahlt hätte”, dann begehen Sie einen Denkfehler, oder Sie haben nicht verstanden, wie das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung funktioniert.
Seit etwa 55 Jahren beruht die Gesetzliche RentenVersicherung GRV nicht mehr auf dem ursprünglich von Bismarck eingeführten System der kapitalbildenden Lebensversicherung, wo bei Erreichen des Rentenalters eine Rente aufgrund des selbst angesparten Kapitals zur Auszahlung fällig wird, sondern auf dem bis dahin herkömmlichen System, wo Kinder für ihre alten Eltern sorgen.
Die Beiträge, die Sie entrichten, sind also keine Sparbeiträge auf Ihre spätere Rente, sondern fließen sofort in die Rente Ihrer Eltern.
Mit Ihren Beiträgen erwerben Sie eigentlich noch keinen Anspruch auf eigene Rente, sondern erfüllen lediglich ihre gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber Ihren Eltern.
Diese gesetzliche Unterhaltspflicht in gerader Linie wurde zu Adenauers Zeit kollektiviert. Man spricht fälschlich von einem Generationenvertrag, obwohl kein Vertrag geschlossen wurde. Vielmehr wurde uns diese vermeintliche Wohltat vom Gesetzgeber aufs Auge gedrückt.
Was die Leute aber bis heute noch nicht bemerkt haben, ist die damit klammheimlich vollzogene gesetzwidrige Ausdehnung der Unterhaltspflicht von der geraden Linie auf Nebenlinien: Die Alten bekommen ihre Rente jetzt nicht nur von ihren eigenen Kindern bezahlt, sondern auch von Nichten und Neffen, ja sogar von den Kindern anderer Leute.
Aus christlicher Sicht mag das in Ordnung sein, aber versicherungstechnisch ist es eine Katastrophe, denn dieser gesetzlich geregelte Anspruch an Kinder anderer Leute verführte Viele zum Lebensstil als DINK (Double Income No Kids = Doppeltes Einkommen ohne Kinder) oder zum Singledasein. Diese Kinderlosen, die sich einen höheren Lebensstandard leisten können, rollen nun als Tsunami auf die Rentenkasse zu, die von abgetriebenen oder verhüteten Kindern keine Beiträge erhält und daher gezwungen ist, über Rentenkürzung nachdenken zu müssen.
Hierzu wurde schon vorgeschlagen: Für Kinderlose halbe Rente. Halbe Rente wofür? Die Beiträge von Kinderlosen waren doch für die Rente von deren Eltern bestimmt, zum Erhalt der RGV hatten sie rein gar nichts beigetragen!
Richtig wäre folglich: Keine Rente! Doch das wäre noch ungerechter, denn der Staat hat uns alle mit seiner Gesetzgebung zu einem Leben auf Kosten anderer Leute verleitet, ohne daß jemand rechtzeitig den Pferdefuß bemerkt und auf ihn hingewiesen hätte.
Doch Halt! Das stimmt nicht! Im Auftrag des BKU (Bund Katholischer Unternehmer) hatte dessen Geschäftsführer Dr. Wilfrid Schreiber ein Gutachten erstellt, wo er auf diesen Pferdefuß hinwies und die heutige demographische Katastrophe in aller Deutlichkeit prophezeite. Aber Adenauer hat diese Warnung mit einer schnodderigen Bemerkung weggewischt und der Bundestag hat sich schon damals als Abnickorgan für offenkundig unsinnige Gesetze erwiesen. Der BKU hat leider resigniert und seitdem nicht mehr für die katholische Soziallehre gekämpft.
Auf den „Räuberstaat“ zu schimpfen bringt uns nicht weiter. Wenn wir nicht wollen, daß die Altersarmut wächst, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als uns in dieser Angelegenheit kundig zu machen, selber zu denken und von unten nach oben eine Veränderung zu erwirken.
Fangen wir an bei der Frage: Wogegen sind wir denn versichert bei der GRV? Gegen welches Schadensrisiko genießen wir Versicherungsschutz? Der Schaden wäre Kinderlosigkeit im Alter, also Altersarmut. Den Begriff „Risiko“ kennt die GRV nicht und deshalb auch keine Risikogruppen. Jede normale Versicherung beruht aber auf Kollektivierung eines Risikos. Schon allein aus diesem Grund ist die GRV keine wirkliche Versicherung.
Die absichtliche Herbeiführung des Schadens betrachtet jede Versicherungsgesellschaft als Versicherungsbetrug und beantwortet ihn mit Rauswurf und Strafprozeß, sonst verkäme sie zum Selbstbedienungsladen und ginge bankrott. Nicht so die GRV. Als einzige Versicherung ignoriert sie den Versicherungsbetrug. Sie ginge daran zugrunde, würden nicht die Steuerzahler über ihr den Rettungsschirm aufspannen. Könnte da nicht gleich das Finanzamt die Renten auszahlen?
Was die absichtliche Herbeiführung des Schadens betrifft, ist Absicht bei Kinderlosigkeit schwerlich nachzuweisen. Das ist aber noch lange kein Grund zum Wegschauen, besonders wenn Kinderlosigkeit unstreitig der Grund für die Misere ist.
Im Unterschied zur Brandstiftung ist absichtliche Kinderlosigkeit kein Delikt. Niemand außer den Kinderlosen selbst denkt dabei an Bestrafung, wenn jemand finanzielle Konsequenzen bei der Rente fordert. Doch ohne solche Konsequenzen kann die GRV nicht weiterwurschteln, geschweige denn gesunden.
Neuerdings sind Rentenkürzungen im Gespräch. Ungerecht wäre, dabei alle Rentner über denselben Kamm zu scheren, also denen, die 4 Beitragszahler großgezogen haben, die gleiche Kürzung zuzumuten wie denen, die (ohne zu wissen) auf Kosten der Solidargemeinschaft das Leben als DINK genossen haben anstatt fürs Alter vorzusorgen (nochmals: ihre Beitragszahlungen dienten der Abgeltung ihrer Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern und nicht zur Ansparung aufs eigene Rentenkonto). In aller Regel hätten Kinderlose bessere Möglichkeit gehabt zur privaten Altersvorsorge als Familien mit Kindern. Und in aller Regel haben sie diese Möglichkeit auch zusätzlich genutzt, so daß Opfer zumutbar sind.
Die Ignorierung des Versicherungsbetrugs war leider nicht der einzige Konstruktionsfehler der GRV. Als genauso verheerend wirkt sich seit der Bildungsreform auch die Versicherungspflichtgrenze aus.
Ich habe noch keine versicherungspflichtigen Eltern getroffen, die ihre Kinder studieren lassen und so auf besserverdienende Berufe ohne Versicherungspflicht vorbereiten, denen bewußt war, daß sie die Solidargemeinschaft der Versicherungspflichtigen schädigen indem sie ihre Kinder so aus dieser Solidargemeinschaft verdrängen und damit auch ihre eigene Rente gefährden.
Gerecht und zukunftsfähig wäre eine Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild, also eine Pflichtversicherung für jedermann, ohne Versicherungspflichtgrenze und ohne Beitragsbemessungsgrenze. Andernfalls verkommt die GRV vollends zur staatlich subventionierten Selbsthilfegruppe der Unterschicht.
In der Diskussion um Elterngeld und Betreuungsgeld war schon das häßliche Wort „Wurfprämie“ zu hören. Um die für ein gerechtes Rentenmodell unerläßliche Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Berechnung der Rentenhöhe vor solcher Diffamierung zu schützen, könnte man nicht nur die selbst erbrachte Beitragsleistung berücksichtigen, sondern auch die der Kinder. Bei der heutigen Erfassung und vernetzung aller Personendaten wäre dies das allergeringste Problem. Damit bekämen nicht nur Kinderlose einen Anreiz zum Überdenken ihrer Lebensplanung, auch etliche unserer PolitikerInnen bräuchten nicht mehr zu befürchten, kinderbezogene Leistungen würden solfort in Spirituosen umgesetzt.
Jedenfalls sollte man sich über diesen Gegenstand kundig machen statt auf den Staat zu schimpfen. Wer ist denn dieser Staat?
Der Staat ist ein Rindvieh – der Staat sind wir!
In einer Demokratie ist das Parlament kaum klüger als der Souverän, als die Wähler. Wahrscheinlich hängen die Abgeordneten nicht weniger lang vor der Glotze wie ihre Wähler und sind daher wohl kaum geBILDeter. Bei einer Umfrage wußte kaum einer wieviele Nullen eine Milliarde hat, doch abgestimmt haben sie über den ESM-Vertrag ohne ihn gelesen, geschweige denn begriffen zu haben. Begriffen hatten sie auch nicht, welche demographische Katastrophe sie mit dem GRV-Gesetz auslösen werden. Sie sind ja auch bestens versorgt und höchstens an ihrer Wiederwahl interessiert, jedenfalls nicht am Wohlergehen des Volkes. Und wenn dennoch mal einer klüger ist und das Richtige will, dann fassen die Dummen den Mehrheitsbeschluß, daß stets der Klügere nachgeben muß.
Also bitte aufwachen und mitdenken. Wir können Gott nur um seinen Segen bitten für unsere Arbeit, aber tun müssen wir sie selber. Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient!
Am 10. Oktober 2012 um 12:45 Uhr
Sehr geehrter Herr P.,
ich kritisiere das Umlagesystem gerade deshalb, weil ich es verstanden habe und den historischen Hintergrund kenne. Vor allem Adenauers Hintergedanken bei seinem Coup – gegen den ausdrücklichen Willen Ludwig Erhards. Damals wurden Experten befragt, wie lange ein solches System funktionieren könnte. Die Experten schätzten die Überlebenschance auf ca. 30 Jahre, länger nicht. Und das ohne Wissen um Entwicklungen wie Pille und Abtreibung und Gender-Mainstreaming. Also unter günstigen demografischen Bedingungen gaben die Experten diesem System keine Chance. Aber 30 Jahre bis zum Zusammenbruch, haben den Politikern als Planungshorizont damals genügt. Sie widersprechen mir ja nicht, wenn Sie das System kritisieren. Und ich bleibe dabei: Wenn ein Pyramidenspiel definiert wird, als ein System, das Auszahlungen aus laufenden Einnahmen tätigt und nicht aus Gewinnen, dann ist das Rentensystem ein Pyramidenspiel.
Ich stimme mit Ihnen überein, was die Wurzel des Übels ist. Denn auch das Umlagesystem ist nur eines von vielen verkorksten, nicht überlebensfähigen Gebilden auf Basis des gleichen Grundübels, nämlich der Massendemokratie. Ein solches System nämlich lebt von der Ausbeutung der Minderheit durch die Mehrheit und kurzfristigem Horizont. Es fördert eine Negativ-Auslese der Eliten, denn es spült, wie von Hayek dargestellt, die übelsten Charaktere nach oben und endet immer in einer Ochlokratie, der Herrschaft des Pöbels. Das einzig überlebensfähige demokratische Modell ist für mich die Schweiz, da es dezentral aufgebaut ist und auf Eigenverantwortung baut. Aber auch hier gibt es erodierende Tendenzen, vor allem auf Grund der Drohkulisse durch das umliegende bankrotte System der EUdSSR.
Jefferson stellte schon fest: “Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen.” Gut beschrieben wird die von Ihnen angedeutete Degeneration der Menschen in diesem System von de Toqueville:
“Die Demokratie möchte, dass die Bürger ihre Vergnügungen leben und nichts anderes als nur ihre Annehmlichkeiten im Kopf haben. Sie arbeitet gerne zu ihrem Glück, doch will sie dessen einziger Schmied und Schiedsricher sein; sie sorgt für ihre Sicherheit, baut vor und deckt ihren Bedarf, verhilft ihnen zur Unterhaltung, erledigt alle ihre wichtigen Angelegenheiten, lenkt ihre Tätigkeit, regelt Eigentumsveränderungen und teilt Erbschaften; es fehlt nur noch, dass sie ihnen die Mühe des Denkens und die Qual des Lebens abnimmt…. die Gleichheit hat die Mneschen allen diesen Dingen gefügig gemacht: sie hat sie dazu gebracht, sie zu ertragen, ja sie sogar als Wohltat anzusehen.”
Richtig erkannt haben Sie als Krönung dieses Irrsinns die fröhliche, bedenkenlose Verabschiedung des ESM von unbedarften “Volksvertretern”. Damit wird letztendlich wieder absolute Gleichheit zwischen Kinderlosen und Eltern hergestellt, was die Altersvorsorge angeht. Denn diese wird durch ESM, dauerhafte Rettung, Marios dicke Bertas und Target2 endgültig den Gegenwert von Null erreichen.
Beste Grüße
Am 14. Oktober 2012 um 19:47 Uhr
Gast53
Hier wird gewettert gegen Menschen,die kinderlos sind,weil sie – vielleicht – zu bequem sind,Kinder grosszuziehen. Man darf aber nicht ausser acht lassen,dass Kinderlosigkeit manchmal auch einfach Schicksal ist oder Behinderung gegen den Kinderwunsch spricht. Ich spreche aus Erfahrung und es war richtig so bei uns.
Ich wünsche allen Lesern Gottes Segen.
Am 12. Dezember 2012 um 09:06 Uhr
Liebe Freunde,jetzt machen wir genau das was wir nicht tun sollten,jeder spielt den anderen mit seiner Meinung aus.Ich finde die meissten Beiträge sehr gut und wichtig.Aber an der Himmelspforte bin ich nicht der Portier.
Lasst uns jeden helfen wie wir können und sollten.Politiche Beiträge zu diesen Thema gibt es unter nw.pbc.de.Und lasst uns anspornen zum guten. Ich wünsche Euch allen den Reichtum und Frieden der von Jesus kommt.
Euch allen ein gesundes neues Jahr 2013