Was macht meinen Glauben stark? Zwei Lebensgeschichten geben auf diese Frage eine überraschende Antwort.

Ich bin in letzter Zeit auf zwei Geschichten gestoßen, in denen Menschen berichten, wie Gott ihnen in schwierigen Phasen die Kraft zum Durchhalten gegeben hat. Ich möchte Sie Ihnen hier kurz vorstellen, weil ich sie Mut machend finde.

20 Jahre Gefängnis weil man den falschen Glauben hat.

Der erste Bericht stammt aus dem aktuellen Monatsheft von OpenDoors, einer christlichen Organisation, die sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt. Im Editorial wird ein chinesischer Pastor zitiert, der wegen seines Glaubens 20 Jahre lang im Gefängnis gewesen ist. Samuel Lang, so sein Name, schreibt über diese Zeit:

Ich bat den Herrn jeden Tag um Hilfe, damit ich in jeder täglichen Not und jedem Leid treu bleiben konnte. Gott sei Lob und Dank, er hat meine Gebete erhört. Ich rühme mich dessen nicht, denn ich habe es nicht getan, sondern der Eine, der mir die Kraft dazu gab. Hätte ich auf meine Kraft vertraut, hätte ich ihn 30- oder sogar 300-mal verleugnet.

15 Jahre Gefängnis weil man den falschen Mann liebt.

Das zweite Lebensschicksal stammt aus dem diesjährigen Andachtsbuch des Neukirchener Kalenderverlages. Gero Erber veranschaulicht seine Auslegung zu einem Abschnitt aus 2.Timotheus 3 mit der Geschichte einer Frau, die er selbst gekannt hat. Sie wollte im Nachkriegsdeutschland den Segen ihrer Eltern für ihre Hochzeit erbitten und ging aus diesem Grund aus der Westzone in den Osten. Dieser kurze Besuch führte zu 15 Jahre Gefängnisaufenthalt. Herr Erber schreibt, wie es dazu kam:

Kurz darauf wurde sie wegen angeblicher Spionage verhaftet und verurteilt. Die Sowjets wussten, dass sie mit einem britischen Offizier verlobt war. Sie hat ihn nie wiedergesehen. Ich staune, dass sie nicht zerbrochen ist. [...] Ohne den Glauben an Gott, sagt sie, hätte sie das nicht geschafft.

Wenn Gott durch ein schweres Schicksal hindurch trägt

Für mich sind das unbegreifliche Schicksale und ich staune, dass diese beiden Menschen über ihren Erfahrungen nicht bitter geworden sind. Gleichzeitig ahne ich auch, dass das aus menschlicher Kraft alleine wohl nicht möglich ist. Ich hoffe und wünsche mir, dass ich selbst auf eine ähnliche Art und Weise nahe bei Gott bleibe, selbst wenn mir derart Schweres erspart bleibt.

Gleichzeitig halten mir diese beiden Christen vor Augen, dass ich den Glauben – und insbesondere einen festen, zuversichtlichen Glauben – nicht aus eigener Kraft stemmen kann. Vielleicht stehen besonders wir Christen in unserer westlichen Leistungsgesellschaft in der Gefahr, uns unsere Sporen auch im Bereich des Glaubens selbst verdienen zu wollen, indem wir viel beten, in der Bibel lesen oder uns um einen angemessenen Lebensstil bemühen. Und wenn etwas nicht klappt, dann beten wir eben noch ein bisschen mehr oder lesen ein entsprechendes Ratgeberbuch, oder?

Pastor Lang und die Frau aus der zweiten Geschichte zeigen, dass es letztlich aber darauf ankommt, dass Gott uns durchträgt. Dazu  passt auch die Jahreslosung 2012, die mir in diesem Zusammenhang wiederholt eingefallen ist. Sie sei abschließend zitiert:

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Korinther 12,9)

Hanna Willhelm

Quellen: Open Doors Monatsmagazin 05 /2012, S.2; Neukirchener Verlagsgesellschaft, Gottes Wort für jeden Tag 2012, S.161.

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