Samuel Koch: Zwei Leben
Peter Strauch hat das Buch von Samuel Koch gelesen. Welche Eindrücke er von dem Buch hat: Hier seine Rezension, die auch in Christsein heute erschienen ist.
Wer bei www.Youtube.com den Namen „Samuel Koch“ eingibt, bekommt einen ergreifenden Ausschnitt aus der ZDF-Sendung „Wetten, dass“ vom 4. Dezember 2010 zu sehen. Ein junger Mann namens Samuel Koch hat sich vorgenommen, in 4 Minuten – jeweils mit einem Salto – über 5 fahrende PKWs zu springen. Ausgerechnet beim Sprung über den Wagen, in dem sein Vater am Steuer sitzt, stürzt er und bricht sich zwei Halswirbel an. Die Sendung wird daraufhin abgebrochen.
„Zwei Leben“ heißt das Buch, das Samuel mit Hilfe des Journalisten Christoph Fasel geschrieben hat: Vor dem Unfall ein Leben voller Bewegung und Tatendrang, danach das ganz andere Leben: vom Kopf bis zu den Füßen gelähmt.
Ich weiß, in den letzten Wochen fand Samuel Koch in vielen Medien Gehör. Günther Jauch machte eine ganze Sendung mit ihm, Peter Hahne hatte ihn schon vor Monaten zu Gast. Wurde nicht schon zu viel über Samuel und sein Schicksal gesagt und geschrieben? So las ich sein Buch zunächst ohne die Absicht, darüber zu schreiben. Doch nach dem Lesen wurde mir klar: Es ist ein ganz und gar außergewöhnliches Buch.
In der Generalprobe? Alles fehlerfrei!
Es beginnt mit der Schilderung seines „ersten Lebens“. Uns begegnet der Junge, der unter allen Umständen Bewegung braucht, ob im beliebten Schlafzimmer, in dem das Bett als Austragungsort für Ringkämpfe und Sprünge vom Kleiderschrank (!) herhalten muss, oder bei seinem zielgerichteten Weg zum Leistungsturner, der bereits im zarten Alter von 5 Jahren begann. Samuel liebte Bewegung über alles, er liebte auch das Risiko. Da lag die Idee zur „Wetten, dass“-Wette nicht fern. Mit den Sprungstelzen, den sogenannten „Powerisern“, bekam sie Konturen. Mit diesen Geräten will Samuel Koch innerhalb von 4 Minuten 5 fahrende Autos überspringen. Und so verrückt die Wette auch klingen mag, oberflächlich und leichtsinnig ging er nicht dabei vor. Immer und immer wieder probt er den möglichen Ablauf, feilt an der Koordination mit den Fahrern, fertigt für das ZDF und die Planungsgruppe minutiöse Ablaufskizzen an. Viele Male probt er die Sprünge. Auch die Generalprobe am Vortag der Sendung läuft fehlerfrei.
Doch dann – in der Livesendung – beim dritten Sprung stößt er während des Saltos für 60 Millisekunden an das Autodach des AUDI 8. Diese Zehntelsekunde reicht aus, um sein Leben total zu verändern. Im Nachhinein weiß man: Der Stoß war so stark, dass kein Wirbelgelenk ihn unbeschadet wegstecken kann. Vermutlich war Samuel nach diesem ersten Aufprall bereits bewusstlos, während sein Körper unkontrolliert weiterflog und schließlich auf den Boden der Halle schlug. Ausgerechnet sein Vater saß im Unfallwagen. Zu ihm hatte Samuel von jeher eine ganz besondere Beziehung. Auch seine Mutter ist in der Halle, sie sitzt mit seinen Geschwistern im Publikum. „Als Samuel auf den Boden prallte, hörte ich einen dumpfen Knall,“ erzählt sie. „Dann lag er regungslos da. Da wusste ich: Er hat sich das Genick gebrochen. Ich betete und stammelte immer wieder: Bitte, bitte, mach, dass er am Leben bleibt!“
“Wetten, dass” als die Gelegenheit
Manch einer mag die Wette als leichtsinnig und verantwortungslos einstufen. Ist Samuel Koch an allem, was darauf folgt, nicht selber schuld? Auch er selbst stellt sich diese Frage. Doch er habe darin, so sagt er, auch die Chance gesehen, in Verbindung mit der Wette etwas „Ernsthaftes“ zu sagen. Samuel ist überzeugter Christ. Angefangen hatte es mit einer eindrücklichen Gebetserhörung und einem Gespräch mit seinem Patenonkel. „Langsam,“ so schreibt er, „wuchs in mir eine wirkliche Beziehung zu Gott. Bald darauf traf ich dann die Entscheidung, mich taufen zu lassen“. Allerdings blieb das nicht so. Sein ungestümer Bewegungsdrang führte ihn zu anderen Schwerpunkten und ließ seine Beziehung zu Gott verblassen. Eines Tages trifft er Straßenevangelisten in der Münchener Fußgängerzone. Vor allem das Zeugnis eines Afrikaners beeindruckt ihn: „In dem Gespräch mit ihm wurde mir ganz neu bewusst, dass ich ziemlich weit von dem Weg abgekommen war, den ich eigentlich mal eingeschlagen hatte. Dies war für mich ein Wendepunkt, an dem ich beschloss: Jetzt ist Schluss mit lustig. Gott soll wieder von einer Randerscheinung in meinem Leben zum Mittelpunkt werden.“ Er habe, so schreibt er in seinem Buch, das gesamte „Wetten, dass?“-Projekt von Anfang an bewusst unter Gottes Regie gestellt. Wegen dieser Sache habe er viel gebetet und auch seine christlichen Freunde befragt. „Von allen Seiten bekam ich die Rückmeldung: Wenn Du diese Gelegenheit hast, nutze sie!“
Nein, vor der Lektüre dieses Buches hatte ich keine Ahnung, was es bedeutet, als Tetraplegiker an einen Rollstuhl gefesselt zu sein. Im Unterschied zum Paraplegiker, der ab dem Bauchnabel abwärts gelähmt ist, umfasst die Lähmung bei Samuel fast den gesamten Körper. Er schreibt: „Ich finde, dass Tetraplegie gegen das Grundgesetz verstößt. Denn ich musste erkennen, dass die Würde des Menschen sehr wohl antastbar ist.“ Weder Samuels Stoffwechsel noch sein vegetatives Nervensystem sind intakt. Ebenso arbeiten auch seine inneren Organe nicht mehr richtig. Es gibt kein Hungergefühl, und seit dem Unfall hat er keine Toilette mehr benutzt. Zähneputzen, Trinken, Essen…, für die kleinsten Dinge benötigt er Hilfe – selbst wenn es um so simple Dinge wie das Kratzen an einer juckenden Stelle geht. Dazu Samuel im O-Ton: „Wenn ich liege, muss ich mich auf den Rücken oder auf die Seite legen lassen, denn auf dem Bauch, meiner Lieblingsseite zu schlafen, ist mir aufgrund meiner eingeschränkten Kopfrotation nicht mehr möglich. Einmal liegend, bin ich in dieser Position eingesperrt. Umdrehen kann ich lediglich meine Zunge.“
Der Tunnelblick erweitert sich
In den ersten Monaten in der Schweizer Klinik stand ihm „James“ zur Verfügung, ein dünnes, spitzes Blasrohr, das unmittelbar über dem Gesicht des Patienten hängt. Über eine Blassteuerung hatte Samuel die Möglichkeit, Signale zu senden – im Stationszimmer kamen sie als akustische Alarmtöne an. „Mein Gott, warum nimmst Du mir ausgerechnet das, was mir im Leben am wichtigsten war?“ betete Samuel in den ersten Tagen und schreibt dazu: „Ich rang mit meinem Bild von Gott und mit dem Warum?“ Und weiter: „Am meisten ängstigte mich die Frage: Was wäre, wenn Gott gar nicht will, dass ich wieder laufen kann?“ Das allerdings geht ihm auch heute noch manchmal so. „Wo ist Gott eigentlich? Er lässt zu, dass ich in einer solchen Situation stecke, er hat anscheinend im Moment nicht vor, etwas daran zu ändern, und dann sagt er noch nicht einmal was?! Gibt es ihn überhaupt?“
Aber Samuel schreibt auch: „Mit der Zeit habe ich angefangen zu sehen, dass mir in meiner miesen Lage auch viel Gutes widerfuhr…“ Er stellt eine „Dankbarkeitsliste“ auf, eine Aufzählung vieler Dinge, für die er Grund zum Danken hat. Er sagt von sich: „Mein Tunnelblick der ersten Wochen, der nur auf meine Widerherstellung fokussiert war, begann sich langsam zu erweitern. Irgendwie habe ich es geschafft, nicht komplett durchzudrehen, mich aufzugeben oder zu verzweifeln. Und ich glaube, dass diese Kraft nicht aus mir selbst gekommen ist, sondern dass da jemand dahinterstecken muss, der nicht so zerbrochen, verwirrt und planlos ist wie ich.“
Was andere über Samuel sagen
Außer Samuel kommen in dem Buch auch seine Eltern, Geschwister und Freunde zu Wort, ebenso seine Ärzte und Pfleger. Sie alle sind bewegt von Samuels Natürlichkeit, von der Art, wie er seine Besucher aufmuntert, Anteil an ihrem Leben nimmt. auch von seinem Humor. Der ihn behandelnde Professor in Düsseldorf sagt: „Samuel war wach, zugewandt, trotz seiner schweren Verletzungen, als ich ihn sah. Er hat gesagt: „Wie geht es denn Ihnen, Sie sehen müde aus!“ Das hat mich wirklich umgeworfen in dieser Situation.“ Auch den beiden Moderatoren der „Wetten, dass?“-Sendung ergeht es so. In dem Nachwort schreibt Michelle Hunziker: „Es stimmt schon, Samuel kann seinen Körper nicht mehr bewegen wie vor dem Unfall. Aber er bewegt so ungeheuer viel in Menschen, die ihm begegnen…“
Und Thomas Gottschalk schreibt in seinem Vorwort: „Wenn ich heute in der Lage bin, mich in einer Krise ernsthaft mit ihr auseinanderzusetzen, ohne sofort Fluchtreflexe zu entwickeln, so verdanke ich das diesem jungen Mann.“ Manche, so Gottschalk, hätten seinen Abschied von „Wetten, dass“ in Verbindung mit Samuels Unfall als unehrlich empfunden. Sie waren der Meinung, es sei seine geschickte Tarnung eines lang geplanten Rückzugs gewesen, „Es stimmt“, schreibt Gottschalk dazu, „dass ich meine Moderationslaufbahn bei „Wetten, dass“ in absehbarer Zeit beenden wollte, aber ich hatte keine Vorstellung, wann.“ Und weiter wörtlich: „Diesem jungen Mann verdanke ich eine tief Einsicht, wie man mit einem Leben umgehen kann, dass eben nicht so läuft, wie man es geplant und sich gewünscht hat.“ Und er schließt mit dem Gedanken, dass ja jedem von uns etwas passieren kann, was sein Leben schon morgen in eine völlig andere Bahn werfen wird. „Ich wünsche uns dann die Kraft, die ich im Buch von Samuel finde. Ich beglückwünsche ihn dazu und ich bewundere ihn dafür.“
Nicht das Ende
Auch Samuel Koch hat Zukunftsgedanken. Er schreibt: „Ich hoffe darauf, mich wieder bewegen zu können. Auch wenn der Verstand mir rät, lieber nicht darauf zu setzen, um mich nicht selbst zu enttäuschen.“ Manchmal malt er sich aus, wie es wäre, wieder laufen zu können, sich an einen Baum zu stützen, die raue Rinde zu spüren, oder sich hinzusetzen, nach einer Weile die Beine zu überkreuzen und die Hände hinterm Kopf zu verschränken, einfach so – und er schreibt weiter: „Spätestens im Himmel werde ich all das wieder tun können. Da bin ich sicher.“ Samuel schließt sein Buch mit den Sätzen: „Aus meiner heutigen Sicht gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder mein Zustand verbessert sich so weit, dass ich damit leben kann – oder ich lerne, meine Situation anzunehmen, wie sie ist. Beides ist noch nicht eingetreten. Aber dies ist nur das letzte Kapitel des Buches, nicht meines Lebens.“
Peter Strauch
Am 25. Juni 2012 um 13:53 Uhr
Es ist schon verrückt,was mir alles so passiert ist nachdem ich Gott mein Leben in seine Hand gegeben habe. Gutes wie auch schlechtes…welches sich dann als nötige Pause in meinem Leben herausstellte. Es ging so richtig ab,in meinem Leben. Mit 45 fand ich noch eine Partnerin,mit der ich mein restliches Leben vorstellen konnte,wir bekamen noch ein Kind….mein erstes,welches ich mir mein ganzes Leben wünschte. Danach bekam ich zwar sofort Krebs,welchen ich aber durch den tiefen Glauben,und meine kleine besiegt habe ! Seither weiß ich nun das,daß Leben weitaus mehr zu bieten hat,als seine Ziele,Arbeit und Wohlstand. Ich kann nicht weiter fallen,als in Gottes Hand !!
Dies zu wissen gibt so unendlich viel Kraft,und zuversicht….alles wird gut !!
Am 14. Januar 2013 um 08:01 Uhr
Erstmal möchte ich alle User Einladen für Samuel zu beten.Ich habe mir auch schon viele Gedanken desbezüglich gemacht.Tatsache ist das wir unbewusst viele falsche Türen aufmachen.Wer spricht heute wirklich zu mir,ist es wirklich der heilige Geist oder mein eiliger Geist.Schaden kommt nie von unseren Herrn Jesus.Mein Vater war in jungen Jahren durch einen Unfall querschnittgelähmt,und ist völlig wieder hergestellt worden.Bei Gott ist kein Ding unmöglich(die Bibel).Euch allen einen bewahrten tag.