Vor unseren Augen geschieht momentan etwas, dass zuvor schwer vorstellbar schien: Menschen gehen in muslimisch geprägten Ländern auf die Straße, um gegen ihre Regierungen zu demonstrieren. Eigentlich ein Verhalten, das man von demokratischen Staaten gewöhnt ist.
Für mich als Christ stellt sich durch diese Vorgänge die Frage, ob ich die zu erwartende Entwicklung in diesen Ländern nicht falsch eingeschätzt habe. Denn so brenzlig die Situation jetzt auch ist, enthält sie doch einen Funken Hoffnung: Sollten sich die Menschen durchsetzen können und sollte dann eine Regierung an die Macht kommen, die mehr zum Wohle ihres Volkes handelt, dann könnte das auch für Christen und Andersgläubige in den jeweiligen Längern positive Auswirkungen haben. Dann würde sich für sie die Lage möglicherweise nicht weiter verschlechtern, sondern entspannen. So versucht laut Berichten von Open Doors ein Ägypter zur Zeit gerichtlich zu erstreiten, dass der Religionswechsel in seinem Land künftig ohne Probleme möglich sein soll. Vielleicht wäre das unter einer neuen Regierung eher möglich.
Sollte, könnte, würde, wäre – die Hoffnung, dass das tatsächlich geschieht, ist klein. Negativbeispiele wie die Niederschlagung der Demonstrationen im Iran zeigen, dass alles im Nichts verlaufen kann. Immer besteht auch die Gefahr, dass radikale, muslimische Kräfte das Machtvakuum füllen. Doch gerade deswegen sollten wir als Christen diese Chance jetzt nutzen und für diese Länder beten. Wer weiß, vielleicht hat Gott für einige dieser Länder wirklich vor, dass sie ihre Systeme verändern und es für Christen einfacher wird, dort zu leben.
Hanna Willhelm
PS: Mein Radiokollege Horst Kretschi hat ein Interview zur jetzigen Situation der Kopten in Ägypten gemacht. Ich finde es hörenswert, da es neue Informationen und eine ganz spezielle Sicht auf das Thema bietet: Zwischen Hoffen und Bangen