Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Ich verleihe meinen Hund für ein paar Euros und jeder darf mit ihm machen, was er möchte. Ob Ottonormalbürger oder perverser Tierquäler, Hauptsache ich scheffle möglichst viel Geld. Mit Recht wäre jeder normal denkende Mensch entsetzt, Tierschützer würden Anklage erheben, Reporter sich mit ihren Schlagzeilen gegenseitig übertreffen.
Das Paradoxe: Genau das passiert in unserem Land – mit jungen Frauen und Kindern. Mädchen mit gerade mal vierzehn Jahren werden von Schlepperbanden aus Rumänien, Bulgarien und anderen östlichen Ländern geholt, misshandelt, zur Prostitution gezwungen und ständig weiterverkauft. Menschenhandel und Zwangsprostitution sind ein Milliardengeschäft mit Ausmaßen, die man sich kaum vorstellen kann. Das Problem ist der Polizei ebenso bekannt wie der Politik. Doch wer schreit hier auf?
Ich frage mich, warum das Thema so wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit findet. Hier und dort liest man einen Artikel, aber wirkliches Interesse, Entsetzen und konkretes Handeln ist Mangelware. Vielleicht verschwindet das Thema aus dem gleichen Grund immer wieder in der Versenkung, warum Zwangsprostitution überhaupt existiert: Weil unsere Gesellschaft selbst die Nachfrage dafür schafft. Wer von diesem Geschäft profitiert, will sich schließlich nicht ins eigene Fleisch schneiden. Unser Land ist nicht nur die Plattform für skrupellose Menschenhändler, sondern der beste Kunde.
Wer über das Thema ebenso entsetzt ist wie ich und sich informieren möchte, dem sei der Film „Menschenhandel“ ans Herz gelegt. Er ist nichts für schwache Nerven, dafür aber mal ein Hollywood-Film, der die traurige Realität auf den Punkt bringt. Auf Englisch ist er kostenlos auf youtube zu finden (“Human trafficking”).
Mehr Infos zu dem Thema finden Sie auch auf ERF.de, Spiegel Online oder auf der Seite des Bundeskriminalamts.
Kim Rosta